Niemand ist gerne Opfer. Opfer zu werden ist traumatisch, egal ob ein 11jähriger Grundschüler beim Zoobesuch in Wuppertal geschlagen wird durch andere Kinder, oder ein Rom-Tourist bestohlen wird auf dem Petersplatz durch „Blumenfrauen“.
Die Gefühle dieser Opfer sind immer die gleichen – Ohnmacht, Wunsch nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung, Angst vor Wiederholung und Erschütterung des Selbstbildes.
Reflexartig versucht sich jeder zu schützen und zu reagieren. Der Schüler Zoo kann bei der Lehrerin petzen; der Rombesucher Ufficio Pellegrini e Turisti 00120, Vatikanstadt Beschwerde führen. Beides ist kostenfrei für das Opfer….
Verliert jemand Geld durch einen Betrug ist nach dem deutschen System die Strafanzeige auch kostenfrei; Schadenersatz erlangt man aber nur, wenn man sich kümmert und die Ansprüche verfolgt. Briefe schreiben kann jeder, aber eine Klage? Und wen soll man verklagen? Ein Anwalt muss her.
Anwalt kostet Geld – soll ich mich als Opfer überhaupt wehren?
Der im Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt hat hauptsächlich mit Betroffenen zu tun, die sich aufgrund einer fehlgeschlagenen Kapitalanlage an ihn wenden und zumeist sehr verzweifelt sind. Die Befürchtung ist häufig, dass die als sicher geglaubte Altersvorsorge zu diesem Zeitpunkt schon komplett verlorengegangen zu sein droht. Nicht selten fühlen sich die Kapitalanleger schlichtweg betrogen und haben das Vertrauen in die Mitmenschen verloren.
Wenn es dann zum ersten Rechtsanwaltsgespräch kommt und der Anwalt unter Abwägung aller rechtlichen Möglichkeiten Perspektiven erläutert und gleichzeitig jedoch auch die Risiken der Rechtsverfolgung beschreibt, heißt es oftmals am Ende des Gesprächs:
„Sagen Sie mir aber doch, warum sollte ich mein gutes Geld jetzt noch dem schlechten Geld hinterherwerfen?“ – „Das Geld ist doch ohnehin verloren.“
Soll ein Opfer einer Betrügerei einen Rechtsanwalt beauftragen und Geld ausgeben?
Dieses Argument kann aus Sicht der Rechtsanwältin Helena Winker der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Dr. Schulte & Partner mbB aus mehreren Gründen nicht gelten:
Geht man zunächst philosophisch an diese Frage heran, stellt sich die einfache Frage: Ist denn das vielleicht verlorengegangene Geld wirklich schlechtes Geld? Ist es nicht eher so, dass auch dieses hart und ehrlich verdientes Geld ist, um welches man kämpfen muss? So gesehen droht doch vielmehr ebenfalls „gutes“ Geld verloren gegangen.
Klar, der Anleger bezeichnet es als „schlechtes“ Geld, weil es innerlich schon als Verlust verbucht wurde oder weil er es einem möglichen Betrüger in den Rachen geworfen hat, obwohl er es sicher angelegt glaubte. Nochmal will der Anleger nicht reinfallen und wieder
Gutes Geld diesmal an den Rechtsanwalt verlieren.
Nur ist es so, dass der Anwalt immer Perspektiven und rechtliche Möglichkeiten aufzeigt, um Ansprüche geltend zu machen. Garantien kann der Anwalt nicht geben, aber in Betracht kommende Haftungsgegner aufzeigen, Risiken einschätzen und schlichtweg gute Arbeit leisten. Dabei sollte sich jeder Anleger fragen, ist mein gut verdientes Geld nicht des Kampfes lohnenswert? Die Devise sollte daher lauten: Ich investiere jetzt noch einmal gutes Geld, um um mein gutes Geld zu kämpfen!
Der Frage: „Warum sollte ich gutes Geld schlechtem Geld hinterherwerfen?“ ist oft Ausdruck von Frust, Enttäuschung, Wut und Hoffnungslosigkeit. All dies ist mehr als verständlich, da die Anleger für das in die Kapitalanlage investierte Geld viel Kraft, Energie und Glauben gesteckt haben. Dass es in dem ersten Moment dann an Kampfeswillen fehlt, mag nachvollziehbar sein.
Betrogene Kapitalanleger, die sich nicht wehren, machen Betrüger reich
Andererseits kann es jedoch nicht sein, dass durchschnittliche Kapitalanleger, die vielleicht 5.000,00 €, 10.000,00 € oder 15.000,00 € verloren haben, dies einfach so abschreiben. Je nach Relation handelt es sich dabei für den Einzelnen um sehr viel Geld. Ja sogar um dasjenige Geld, welches später einmal ein angenehmes Rentenalter finanzieren sollte. Trotzdem erkennen die Rechtsanwälte immer wieder Resignation und beinahe leichtfertiges Abschreiben des Geldes bei den geschädigten Anlegern. Diese Einstellung kann nicht richtig sein! Denn wenn sich die Anleger nicht wehren, werden die Initiatoren der unseriösen Kapitalanlageprodukte weiterhin so ihre Geschäfte betreiben. Es erscheint unter diesem Aspekt quasi viel einfacher, 300 Menschen um 5.000,00 € oder 10.000,00 € zu betrügen, als einen Menschen um 1 Million. Warum stehen nicht die 300 Menschen auf, schließen sich zusammen und kämpfen für ihr Recht?
So erscheint es doch für viele selbstverständlicher, wenn das Auto vor der Haustür zerkratzt wird oder der Geldbeutel in der U-Bahn aus der Tasche gestohlen wird, sofort zur Polizei zu gehen und sich dies nicht gefallen zu lassen. Warum zeigen die Menschen hier viel mehr Engagement und Empörung?
Auch bei Kapitalanlagebetrügerein müssen die Opfer zusammenstehen und die Strafverfolgungsorgane unterstützen.
Ein Gegenargument könnte hier sein: Warum sollte gerade ich mich für die Menschheit einsetzen? Auch hier ist die Antwort eigentlich ganz einfach: Es ist eine Frage der Zivilcourage und vor allem bietet die anwaltliche Tätigkeiten Erfolgschancen! Legt man unseriösen Kapitalgesellschaften und deren Verantwortlichen das Handwerk, setzt man sich für die Gesellschaft ein. Aber nicht nur andere Kapitalanleger werden hiervon profitieren, sondern man ist es sich auch selbst schuldig.
Auch Geschäftsführer von Kapitalanlagegesellschaften, die von vornherein Böses im Schilde führten, sind Menschen. Auch diese können nicht mehr schlafen, wenn sie von ihren oftmals mehreren hunderten geschädigten Anlegern einen Anwaltsbrief nach dem anderen bekommen und verklagt werden. Läuft es allerdings für einen betrügerischen Geschäftsführer oder Vorstand einer Kapitalanlagegesellschaft so, dass er mehrere hundert Anleger um ihr Geld gebracht hat, und sich daraufhin nur zwanzig zur Wehr setzen, so wird er sich immer ins Fäustchen lachen und genauso weitermachen. Dann ist es nicht einmal unwahrscheinlich, dass ihn selbst eine Haftstrafe von wenigen Jahren daran hindern würde, danach ein neues Kapitalanlagemodell auf den Markt zu bringen.
Woran mag die teilweise Resignation der Anleger liegen?
Vielleicht liegt es daran, dass der Handtaschendieb oder der Jugendliche, der sich mit dem Kratzer im Lack einen „Spaß“ erlaubt hat, für die Menschen greifbarer ist. Ein Geschäftsmann, der Millionen veruntreut hat, erscheint für den Verbraucher womöglich nicht greifbar. Doch um diese Hürde zu nehmen, gibt es Rechtsanwälte, die im Bank- und Kapitalmarktrecht erfahren und fachlich hochspezialisiert sind, um sämtliche Rechtsmöglichkeiten auszuschöpfen. Eine wichtige Information an dieser Stelle dürfte für den Anleger auch sein, dass ein rechtskräftiger Titel immerhin für 30 Jahre vollstreckbar ist. Also selbst wenn ein klagender Anleger immer auch das Insolvenzrisiko der Gegenseite trägt, so hat er dennoch drei Jahrzehnte Zeit, um Vollstreckungsmaßnahmen zu betreiben. Die Rechtslage ändert sich weiter zum Vorteil von Gläubigern, die Möglichkeiten Vermögen zu verstecken werden geringer.
Eine weitere Hemmschwelle ist sicherlich die Sorge vor einer hohen Anwaltsrechnung. Hierbei haben die Rechtsanwälte auch schon zu Gehör bekommen, dass rechtliche Laien glauben, sie müssten dem „halsabschneiderischen“ Rechtsanwalt gerade noch mal so viel bezahlen, wie sie ohnehin schon verloren haben. Diesem Irrglauben kann man ganz einfach entgegentreten: Rufen Sie den Rechtsanwalt an und fragen Sie, welche Kosten für die Rechtsverfolgung auf Sie zukommen!
Jeder Rechtsanwalt ist dazu verpflichtet, eine Kostenaufklärung vorzunehmen. Klar, kostet ein Rechtsanwalt mehr, als der Besuch beim Friseur. Gar keine Frage. Die rechtsanwaltlichen Gebühren werden jedoch nicht willkürlich festgelegt, sondern richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Aber oftmals haben Rechtsanwälte auch die Möglichkeiten, z.B. im Rahmen von der Gründung einer Anlegergemeinschaft bei mehreren Geschädigten einer gleichen Kapitalanlage, jedenfalls bei der außergerichtlichen Tätigkeit besondere Vergütungsmodelle anzubieten. Auch klärt der Rechtsanwalt gerade die Mandanten, die selbst zahlen müssen, weil sie keine Rechtsschutzversicherung haben oder weil die Rechtsschutzversicherung die Kosten nicht übernimmt, vor einem kostenträchtigen Prozess nochmals ausführlich über Risiken hinsichtlich der Erfolgsaussichten sowie der voraussichtlichen Prozesskosten auf.
Staatliches Versagen auf Kosten der Anleger
Letztlich muss sich doch jeder Anleger zumindest fragen: Bin ich mir es nicht selbst schuldig, es wenigstens versucht zu haben? Denn eines steht fest, hat eine Kapitalanlagegesellschaft entweder bereits Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt oder reagiert sie schlichtweg nicht mehr auf schriftliche Anfragen, Aufforderungen oder Kündigungen, ist in der Regel von dem endgültigen Verlust des Geldes auszugehen. Also kann sich der Anleger entscheiden: Entweder er schreibt sein investiertes Kapital ab und unternimmt nichts oder aber er sagt sich: das Geld für einen kompetenten und spezialisierten Rechtsanwalt ist es mir wert, damit ich es wenigstens versucht habe. Oftmals kann die innere Ruhe erst dann wieder gefunden werden, wenn der Anleger sich sagen kann, ich habe um mein Geld gekämpft und ich habe nichts unversucht gelassen, um mir diese Ungerechtigkeit gefallen zu lassen.
Update 2004
Sollten Opfer von Finanzbetrug rechtliche Schritte einleiten? Einsichten und Überlegungen
Die Herausforderung für Opfer von Finanzbetrug
Opfer von Finanzbetrug stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Sollen sie rechtliche Schritte einleiten, um Verluste wieder gutzumachen, oder die Situation akzeptieren und versuchen, das Erlebte hinter sich zu lassen? Finanzbetrug umfasst viele Formen, von Pyramidensystemen über Wertpapierbetrug bis hin zu Identitätsdiebstahl, und die Konsequenzen gehen oft weit über finanzielle Verluste hinaus. Auch emotionale und psychologische Belastungen sind häufig. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Überlegungen, die Opfer bei der Entscheidung über rechtliche Schritte berücksichtigen sollten.
Verständnis von Finanzbetrug
Arten von Finanzbetrug
- Pyramidensysteme: Diese Systeme basieren auf der ständigen Rekrutierung neuer Investoren, bis sie schließlich zusammenbrechen und den meisten Beteiligten erhebliche Verluste verursachen.
- Wertpapierbetrug: Dazu gehören Insiderhandel, Ponzi-Systeme und gefälschte Finanzberichte, die Investoren in die Irre führen.
- Cyberbetrug: Phishing und Ransomware sind nur einige der Methoden, die Betrüger einsetzen, um persönliche Daten zu stehlen und finanziellen Schaden anzurichten.
- Identitätsdiebstahl: Die unerlaubte Nutzung persönlicher Informationen kann das finanzielle Leben der Betroffenen massiv stören.
- Weitere Betrugsarten: Beispiele sind Kreditkartenbetrug, Versicherungsbetrug und betrügerische Mikroinvestitionen.
Folgen von Finanzbetrug
- Psychologische Belastung: Viele Opfer leiden unter Angst, Stress oder Depressionen und ziehen sich oft sozial zurück.
- Finanzielle Auswirkungen: Verluste können langfristige Konsequenzen haben, wie den Verlust von Ersparnissen oder eine verschlechterte Kreditwürdigkeit.
- Soziale und berufliche Belastungen: Betrug kann das Vertrauen in persönliche Beziehungen sowie die berufliche Entwicklung beeinträchtigen.
Vorteile rechtlicher Schritte bei Finanzbetrug
- Finanzielle Wiederherstellung: Rechtliche Schritte können helfen, verlorenes Geld zurückzuerhalten.
- Verantwortung der Täter: Betrüger zur Rechenschaft zu ziehen, trägt zur Abschreckung weiterer Straftaten bei.
- Psychologische Entlastung: Der Kampf um Gerechtigkeit gibt den Opfern oft das Gefühl, wieder Kontrolle über die Situation zu erlangen.
- Professionelle Unterstützung: Juristen können den Opfern helfen, den oft komplizierten rechtlichen Prozess zu verstehen und durchzuführen.
Rechtliche Möglichkeiten bei Finanzbetrug
- Zivilklagen: Opfer können Klagen einreichen, um Schadensersatz zu verlangen.
- Strafrechtliche Verfolgung: Die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden kann zur Bestrafung von Tätern führen.
- Rückerstattungsanordnungen: Gerichte können Täter verpflichten, den Opfern finanzielle Entschädigungen zu zahlen.
- Sammelklagen: Opfer ähnlicher Betrugsfälle können sich zusammenschließen und gemeinsam Klage erheben.
Herausforderungen rechtlicher Schritte
- Hohe Kosten: Gerichtskosten und Anwaltsgebühren können die finanzielle Belastung der Opfer erhöhen.
- Emotionale Belastung: Der langwierige Prozess kann Opfer zusätzlich belasten, da sie das Trauma erneut durchleben müssen.
- Ungewisse Ergebnisse: Selbst bei soliden Beweisen gibt es keine Garantie für einen positiven Ausgang.
- Zeitaufwand: Prozesse können Monate oder Jahre dauern und das Leben der Betroffenen beeinträchtigen.
- Begrenzte Rückgewinnung von Vermögenswerten: Betrüger verstecken häufig ihre illegal erlangten Mittel, was die Rückerstattung erschwert.
Alternativen zu rechtlichen Schritten
- Mediation und Schiedsverfahren: Diese Methoden sind oft kostengünstiger und schneller als Gerichtsverfahren.
- Meldung an Behörden: Das Anzeigen von Betrug bei Regulierungsbehörden kann dazu beitragen, weitere Straftaten zu verhindern.
Beispiele aus der Praxis
Erfolgreiche Rückerstattung: Eine Gruppe von Opfern eines Ponzi-Systems konnte mithilfe von Beweisen und juristischer Unterstützung einen Großteil ihrer Verluste zurückgewinnen.
Herausforderungen vor Gericht: Ein Opfer von Onlinebetrug scheiterte aufgrund von Zuständigkeitsproblemen, obwohl es über umfangreiche Beweise verfügte.
Vergleichsverhandlungen: Ein Opfer entschied sich für einen Vergleich, um einen langwierigen Prozess zu vermeiden, musste aber später unerwartete Steuerlasten tragen.
Stärkung und Unterstützung
Rechtliche Schritte sind nicht nur ein Weg, um finanzielle Verluste auszugleichen. Sie können auch dazu beitragen, das Vertrauen in das eigene Handeln wiederzugewinnen und Betrug in der Gesellschaft einzudämmen. Unterstützungsgruppen und Opferhilfsorganisationen bieten wertvolle Ressourcen, um Betroffenen zu helfen, ihre Rechte wahrzunehmen und wieder Fuß zu fassen.
Die Entscheidung, rechtliche Schritte gegen Finanzbetrug einzuleiten, erfordert eine sorgfältige Abwägung. Opfer sollten die potenziellen Vorteile einer Rückerstattung und Gerechtigkeit gegen die finanziellen und emotionalen Kosten abwägen. Mit der Unterstützung erfahrener Rechtsanwälte und spezialisierter Hilfsorganisationen können Opfer informierte Entscheidungen treffen, die ihren individuellen Bedürfnissen und Umständen gerecht werden.
Für weitere Informationen oder persönliche Beratung wenden Sie sich an Dr. Thomas Schulte unter dr.schulte@dr-schulte.de oder +49 (0) 30 – 22 19 220 20. Dr. Schulte ist ein erfahrener Experte im Kapitalmarktrecht und unterstützt Betroffene umfassend bei der Bewältigung von Finanzbetrug.